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Von der Maschinenkultur zur
Kulturmaschine
Die Geschichte der Centralstation für
elektrische Beleuchtung:

Die ehemalige Maschinenhalle
"Sechs Jahre nach New York, drei Jahre nach Berlin und fast gleichzeitig
mit der Weltausstellung in Paris 1889 beginnt Darmstadts Elektrifizierung
mit dem Bau des ersten Werkens der >Centralstation für elektrische
Beleuchtung<, den heutigen Heaghallen."
(Vorwort des Herausgebers in: Geschichtswerkstatt
Darmstadt. HEAG Hallen. Centralstation für elektrische Beleuchtung
in Darmstadt Verlag der Georg-Büchner Buchhandlung. Darmstadt 1985)
Im Frühjahr 1999 war es endlich soweit: Die ehemalige "Centralstation
für elektrische Beleuchtung" (zuletzt HEAG Halle genannt) steht
wieder unter Strom! Am 25.März eröffnete die CENTRALSTATION
ihr kulturelles Veranstaltungsprogramm.
Das historische Gebäude war ehemals das erste Elektrizitätswerk
in Darmstadt. Es wurde 1888/89 in Darmstadt errichtet und nannte sich
"Centralstation für elektrische Beleuchtung". Das gegenwärtige
äußere Erscheinungsbild der alten Halle entspricht noch immer
dem Aussehen der um 1905 erweiterten "Centralstation für elektrische
Beleuchtung" und steht unter Denkmalschutz.
1920/21 wurde die Stromerzeugung in der Darmstädter Innenstadt eingestellt,
die Halle wurde in den folgenden Jahren von der HEAG (damals noch: Hessische
Eisenbahn-Aktiengesellschaft) als Schaltwarte genutzt. Seit 1976 steht
die Halle leer. Nach langwierigen und unterschiedlichsten Planungen hat
der Magistrat der Stadt Darmstadt entschieden, die Halle als kulturellen
Veranstaltungsort zu nutzen und zu diesem Zweck die Leitung des kulturellen
Betriebes an Alexander Marschall und Michael Bode vergeben.
Die neue Namengebung nimmt nicht nur auf die Ursprünge des Gebäudes
bezug, sondern ist auch für einen vielfältigen, kulturellen
Veranstaltungsbetrieb (Konzerte, Tanztheater, Theater, Film, Lesungen,
Ausstellungen, Gastronomie) mitten in der Darmstädter Innenstadt
äußerst passend.
Zudem vermittelt der international verständliche Name etwas vom Ambiente
des historischen Gebäudes, von dem auch im Innern so viel wie möglich
erhalten bleiben soll.
Was 1889 mit der elektrischen Beleuchtung des Hoftheaters durch die "Centralstation
für elektrische Beleuchtung" als Beitrag zum kulturellen Leben
in Darmstadt begann, findet 1999 endlich seine Fortführung mit der
CENTRALSTATION - Station für Klang, Raum und Traum.

Schaltwarte
Nur sechs Jahre später als in New York, der ersten Stadt mit elektrischer
Stromversorgung überhaupt und drei Jahre nach Berlin, wurde in Darmstadt
im Jahre 1888 eine "Centralstation für elektrische Beleuchtung"
errichtet. Der Lehrstuhlinhaber für Elektrotechnik an der TH Darmstadt,
Prof. Erasmus Kittler, der frühzeitig die Bedeutung der elektrischen
Energie erkannt hatte, drängte die Stadtverordnetenversammlung zum
Bau einer solchen Anlage. Die Stadt, die im elektrischen Strom einen Konkurrenten
zu dem von ihr produzierten Gas erkannte, wollte einem privaten Unternehmen
zuvorkommen. Sie erklärte sich deshalb zur Finanzierung des Projektes
bereit, wobei eine Grundvoraussetzung jedoch war, daß der Herzogliche
Hof, speziell das Hoftheater, als Stromabnehmer gewonnen werden konnte.
(Geschichtswerkstatt Darmstadt. HEAG Hallen. Centralstation für elektrische
Beleuchtung in Darmstadt. Verlag der Georg-Büchner Buchhandlung.
Darmstadt 1985)
Industriearchitektur
und Ingenieurbaukunst in Darmstadt - die HEAG-Maschinenhalle
Die "Centralstation für elektrische Beleuchtung" war 1904
eine wichtige Bauaufgabe in der damaligen Residenzstadt, sie steht am
Anfang einer Architektur für Industrie- und sogenannte Profanbauten
in Darmstadt. Die industrielle Produktion entwickelte sich in Darmstadt
zunächst sehr zögerlich, entsprechend spät entstanden die
ersten ausgesprochenen Industriebauten, die den Maßstab der handwerklichen
- und Kleinmanufaktur-Produktion. Nur wenige dieser Gebäude sind
heute noch erhalten.
Die 1904 erbaute Erweiterung der Centralstation mit Kessel- und Maschinenhaus
zeigt eine für Darmstadt ungewohnte Backsteinarchitektur. Dennoch
war dieses Baumaterial für Fabriken und Maschinenhäuser durchaus
zeittypisch. Die aufwendige Ausführung der Verblendung und der Sturzbögen
entstammt der repräsentativen Architektur z.B. gründerzeitlicher
Mietshäuser. Die großherzogliche Nachbarschaft - nur wenige
Meter entfernt befand sich das großherzogliche Palais - forderten
auch vom Äußeren des Elektrizitätswerkes architektonische
Zierart.
In der Maschinenhalle wird der Bautyp der Basilika - auch am Gebäude
des niedrigeren Kesselhauses deutlich erkennbar - gesteigert durch einen
fast barocken Schweifgiebel, der das Mittelschiff besonders betont. Dieser
Giebel war über den Dächern der sonst im "Moller-Maß"
in der Bauhöhe begrenzten Stadt gut sichtbar.
Die zentrale Lage war erforderlich, da die hier produzierte elektrische
Ernergie - es handelte sich um Gleichstrom - über größere
Entfernungen nicht transportierbar war. Das Kraftwerk mußte also
in unmittelbarer Nachbarschaft der hauptsächlichen Abnehmer - Herzoglicher
Hof mit Hoftheater und Handel - errichtet werden.
(Geschichtswerkstatt
Darmstadt. HEAG Hallen. Centralstation für elektrische Beleuchtung
in Darmstadt. Verlag der Georg-Büchner Buchhandlung. Darmstadt 1985)

Maschinenhalle
| 1882 |
Thomas A. Edison erbaut
das erste öffentliche Elektrizitätswerk in New York. An
der TH Darmstadt wird ein Lehrstuhl für Elektrotechnik unter
Prof. Erasmus Kittler eröffnet. |
| 1887 |
Am 23. Juni wird
in der Stadtverordnetenversammlung einstimmig die Errichtung eines
Elektrizitätswerkes beschlossen.
An der Schuchardtstraße wird ein 1200 qm großes Grundstück
erworben und mit dem Bau begonnen. |
| 1888 |
Der erste Dampfkessel
der Fa. Göring und Leuchs wird im Mai geliefert. Die Firma Siemens
und Halske wird mit der Lieferung und Montage der Dampf- und elektrischen
Maschinen, des Kabelnetzes und der Meß- und Verteilungsinstrumente
beauftragt.
Am 13. August geht die Anlage in Betrieb. |
| 1890 |
Es sind 5102 sechzehnkerzige
Lampen an die Centralstation angeschlossen, das Werk ist damit an
der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt. |
| 1897 |
Am 25. November wird
die elektrische Straßenbahn eröffnet. Sie wird zum größten
Stromabnehmer der Centralstation. |
| 1904 |
Man beginnt mit den
Erweiterungen. Die Planung und Ausführung stammt wahrscheinlich
von Stadtbaurat Franz Renau.
Schon im gleichen Jahr sind das neue Maschinenhaus und die Zentralkondensation
fertiggestellt. |
| 1905 |
Das Kesselhaus ist
ebenfalls fertiggestellt. Am 7. Juni gehen die Anlagen in den neuen
Hallen in Betrieb. |
| 1907 |
Die Kapazität
der Anlage reicht bereits nach zwei Jahren nicht mehr aus, vor allem
weil der Bahnhof mitversorgt werden soll. |
| 1908 |
Ein zweites Elektrizitätswerk
wird am Dornheimer Weg errichtet. |
| 1909 |
Das neue Werk wird
am 17. Oktober in Betrieb genommen. Neben Gleichstrom liefert es auch
Wechselstrom. |
| 1912 |
die Heag (Hessische
Eisenbahn-Aktiengesellschaft) wird gegründet. Sie übernimmt
beide Elektrizitätswerke der Stadt. |
| 1920 |
Im Winter stellt
man die Stromerzeugung in der Innenstadt ein. |
| 1922 |
Die Kessel,
die Dampfmaschinen und der Schornstein werden abgebrochen. Strom bezieht
man jetzt hauptsächlich von der RWG. Im Kesselhaus werden Zwischendecken
eingezogen, im Erdgeschoß richtet sich eine Schlosserei ein,
in den anderen zwei Geschossen Werkstätten. Das Maschinenhaus
wird als Schaltwerk genutzt. |
| 1944 |
In der Bombennacht
vom 11. September wird die Dachhaut der Hallen zerstört, die
Dachbinder und Außenwände bleiben jedoch erhalten. |
| 1949 |
Die bereits errichteten
Notdächer werden ersetzt. Auch im Maschinenhaus wird eine Zwischendecke
eingezogen und ein Lastenaufzug eingebaut. Künftig wird das Erdgeschoß
als Schaltwarte der Innenstadt und das Obergeschoß als Werkstätten
genutzt. |
| 1976 |
Nach dem Umzug der
Heag nach Kranichstein stehen die Hallen leer. Nur im Maschinenhaus
befindet sich noch eine Schaltwarte für die Straßenbahnen. |
| 1977 |
Die Darmstädter
Jungsozialisten treten als erste mit einem Vorschlag für die
künftige Nutzung der Heag-Maschinenhalle an die Öffentlichkeit.
Die Hamburger "Fabrik" , ein multikulturelles Kulturzentrum
der alternativen Szene, in dem bis heute jeden Abend Musikgruppen
spielen, war damals das große Vorbild der Jungsozialisten. |
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Seit
1977
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verstummt der "vielstimmige
Chor der Parteien und Gruppen nicht mehr, die in dem alten Industriebau
ihre persönlichen Träume von Urbanität und Stadtkultur
verwirklicht sehen wollen" ( Petra Neumann-Prystaj Darmstädter
Echo, 15. August 96) Darunter sind Vorschläge für ein Hofbräuhaus,
ein Aktionshaus für Künstler und Kunsthändler, ein
Verkehrsmuseum, ein Fitneßzentrum mit Hallenbad, Sauna, Solarium
und Trainingsräumen unterm Dach, ein Industriemuseum, ein sozialhistorisches
Museum, die Stadtbibliothek, um nur einige zu nennen. |
| 1980 |
Das Kesselhaus wird an die Stadt verkauft.
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| 1985 |
wird der Förderverein
Heag-Hallen gegründet. er setzt sich für ein breitgefächertes
bürgerschaftliches Nutzungskonzept ein. |
| 1988 |
Die Stadt kauft auch
die Maschinenhalle. |
| 1992 |
Die Stadt verkauft
die beiden Hallen an die City-Bau GmbH und Co Anlagen KG, behält
sich jedoch das Nießbrauchrecht vor. |
| 1994 |
Nach neuen Plänen, die auch den Um- und Ausbau
der Luisenplatzfront und die Luisenstraße mit einbeziehen
wird mit ersten Abrißarbeiten im Heag-Hallen Areal begonnen.
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| 1995 |
Im März beginnen
die Rohbauarbeiten. Der Komplex erhält einen neuen Namen: Carree. |
| 1996 |
Die "Gemeinnützige
Betreibergesellschaft City-Kultur mbH" wird gegründet, um
die kulturelle Nutzung der Halle B zu planen. |
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1998
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Die Centralstation steht wieder unter Strom. Das
Kulturprogramm kann beginnen.
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| 1999 |
Das
aktuelle Programm |
Werk
1 Maschinensatz mit Generator
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