Musik des 20. Jahrhunderts: '14 Arten den Regen zu beschreiben'
14 Arten den Regen zu beschreiben: Vertonte NaturphÀnomene
Im letzten Konzert der Centralstation-Reihe in dieser Saison werden nicht nur unterschiedliche Komponisten des 20. Jahrhunderts und ihre Werke vorgestellt, diesmal kommen auch verschiedene NaturphĂ€nomene zum Tragen. So etwa im 1985/86 komponierten 'Lichtbogen' von Kaija Saariaho, dessen Titel auf die Nordlichter des arktischen Himmels zurĂŒckgeht. Als die finnische Komponistin einmal diesen Himmel beobachtete und die 'immensen, lautlosen Lichter sah, die ĂŒber den schwarzen Himmel wanderten', kamen ihr die ersten Ideen zu Form und Sprache des StĂŒckes. FĂŒr 'Lichtbogen' griff sie erstmals auf den Computer als Instrument zurĂŒck, mit dessen Hilfe sie vor allem Harmonik und Rhythmus des StĂŒckes ausarbeitete.
Der italienische Komponist Luca Lombardi, MeisterschĂŒler Paul Dessaus, schrieb 1976 sein 'GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume'. Es beruht auf dem berĂŒhmt gewordenen Ausschnitt aus einem Brecht-Gedicht: 'Was sind das fĂŒr Zeiten, wo / Ein GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fast ein Verbrechen ist / Weil es ein Schweigen ĂŒber so viele Untaten einschlieĂt!' Seine geistige NĂ€he zu deutschen Traditionen machen Lombardi zu einem GrenzgĂ€nger der Kulturen, er ist darin quasi das Gegenbild zum italienbegeisterten Westfalen Hans Werner Henze, in dessen Nachbarschaft Lombardi seit vielen Jahren lebt. Henze gewidmet ist ein weiteres Werk, das auf dem Programm steht: 'Neue Lieder aus Italien, und Deutschland' des niederlĂ€ndischen Komponisten Cord Meijering, der seit 2005 Direktor der DarmstĂ€dter Akademie fĂŒr Tonkunst ist. Mit dieser UrauffĂŒhrung möchte er seinem Lehrer zum 80. Geburtstag gratulieren.
Mit einem weiteren NaturphĂ€nomen setzte sich 1929 der berĂŒhmte Dokumentarfilmer Joris Ivens auseinander: dem Regen. Sein gleichnamiger Stummfilm regte Hanns Eisler 1941 zu seiner Komposition '14 Arten den Regen zu beschreiben' an, die dem Konzert in der Centralstation seinen Titel gegeben hat. Erst seit kurzer Zeit ist es wieder möglich, die beiden Werke in direkter GegenĂŒberstellung zu zeigen, da das Filmmaterial neu aufgearbeitet wurde. So kommen auch in der Centralstation Film und Musik zur AuffĂŒhrung. Zwischen diesen naturverbundenen Werken steht 'Kya' des italienischen Komponisten Giacinto Scelsi, der zu den wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zĂ€hlt, obwohl er in relativer ZurĂŒckgezogenheit gewirkt hat. Das Werk stammt aus dem Jahr 1959 und entzieht sich - wie die meisten Werke Scelsis - aufgrund seiner Klang-Esoterik dem klassisch-analytischen Zugriff.
Es spielen Mitglieder des Orchesters des Staatstheaters und Michael Schmidt (Klarinette). Die musikalische Leitung des Konzerts hat Norbert Biermann, der seit 1998 Studienleiter und Kapellmeister am Staatstheater Darmstadt ist und zuletzt 'Evita' einstudierte.
(Staatstheater)
Programm:
Luca Lombardi: GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fĂŒr 9 Spieler (1976)
Kaija Saariaho: Lichtbogen fĂŒr 9 Instrumente und Live-Elektronik (1985/86)
Giacinto Scelsi: Kya fĂŒr Klarinette und 7 Instrumente (1959)
Cord Mejering: Neue Lieder aus Italien, und Deutschland, Hans Werner Henze zum 80. Geburtstag URAUFFĂHRUNG
Joris Ivens: Regen, Stummfilm (1929)
Hanns Eisler: 14 Arten den Regen zu beschreiben op. 70 (1941), Musik zu Joris Ivensâ Film Regen
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Montag, 15. Mai 2006
Beginn: 20:00 Uhr
Einlass: 19:00 Uhr
Saal bestuhlt
Alle Eintrittspreise sind Endpreise. Keine GewĂ€hr fĂŒr die Richtigkeit der Preisangaben.
Verantwortlicher Veranstalter:
Staatstheater Darmstadt
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