Musik des 20. Jahrhunderts: Konzentration
Konzentration: Abenteuerliches Unterfangen
Das dritte Konzert der Reihe 'Musik des 20. Jahrhunderts', das das Orchester des Staatstheaters Darmstadt mit kammersinfonischer Musik in die Centralstation führt, lädt zu einer besonderen Rarität ein: Anton Bruckners Sinfonie Nr. 7 in E-Dur, die 1881-83 entstand. Sie haben richtig gelesen: Auf den ersten Blick scheinen Bruckners Sinfonie und das Thema Kammermusik nicht zusammenzupassen und die Sinfonie ist nicht im 20., sondern im 19. Jahrhundert entstanden. Vielmehr ist Bruckner - eine der seltsamsten und widersprüchlichsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, dessen Musik bis heute kontrovers diskutiert wird - gerade für die großen Besetzungen und ausladende Orchesterkompositionen bekannt. Seine 7. Sinfonie gilt als sein Durchbruch als Sinfoniker. Die Coda des langsamen Satzes wurde unmittelbar unter dem Eindruck der Nachricht vom Tod Richard Wagners komponiert. Der dramaturgische Plan der Sinfonie ist überwältigend: Der absolute Höhepunkt liegt genau in der zeitlichen Mitte des Werks und wird von einem bis heute umstrittenen Beckenschlag markiert. Wie aber passt die Sinfonie nun in die Centralstation, einen Ort, der nicht den Platz für ein ausladenes Orchester bietet? Ähnliches haben sich 1921 auch Hanns Eisler und Karl Rankl überlegt, die das Werk damals für Schönbergs 'Verein für musikalische Privataufführungen', also für einen kleinen Rahmen, einrichteten. Dieses abenteuerliche Unterfangen für Klarinette, Horn, Harmonium, Klavier, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass kommt nun als Pendant zum 7. Sinfoniekonzert im Staatstheater zur Aufführung, wo Sie das Werk in der großen Besetzung erleben können.
Flankiert wird die Bruckner-Sinfonie in der Centralstation von einem Werk des 1958 geborenen finnischen Komponisten Magnus Lindberg. Lindberg war zunächst hauptsächlich als Pianist tätig und spielte viele Uraufführungen neuer finnischer Klaviermusik. Seine Kompositionsstudien begann er an der Sibelius Academy in Helsinki bei Einojuhani Rautavaara und Paavo Heininen. Private Studien folgten bei Vinko Globokar und Gérard Grisey in Paris, bei Franco Donatoni in Siena und Brian Ferneyhough in Darmstadt. Als Schüler von Osomo Lindemann, am elektronischen Studio EMS in Stockholm sowie in mehreren Arbeitsaufenthalten bei IRCAM in Paris beschäftigte sich Lindberg mit den Möglichkeiten elektronischer Musik. 2003 wurde er mit dem hochdotierten finnischen Wihuri-Sibelius-Preis ausgezeichnet. Beim Konzert in der Centralstation kommt die erste Fassung der Corrente für Kammerorchester aus dem Jahr 1992 zur Aufführung. (Staatstheater)
Programm:
Magnus Lindberg Corrente für Kammerorchester (1992)
Anton Bruckner Sinfonie Nr. 7 in E-Dur (1881/83) in der Fassung für Kammerensemble von Hanns Eisler und Karl Rankl (1921)
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Montag, 14. Mai 2007
Beginn: 20:00 Uhr
Einlass: 19:00 Uhr
Saal bestuhlt
Alle Eintrittspreise sind Endpreise. Keine Gewähr für die Richtigkeit der Preisangaben.
Verantwortlicher Veranstalter:
Staatstheater Darmstadt
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