Musik des 20. Jahrhunderts: 2. Konzert
Musik des 20. Jahrhunderts: Teufel, Träume und Wahnvorstellungen
Das Staatsorchester Darmstadt gastiert im März in der Centralstation mit zwei ganz unterschiedlichen Werken des 20. Jahrhunderts, die etliche Berührungspunkte aufweisen: mit Strawinskys bekannter 'Geschichte vom Soldaten' und Henzes eher unbekannten 'Paraphrasen über Dostojewski'. Strawinskys Stück entstand 1916 in einer Zeit, in der er von einer größtmöglichen Entfernung zum 'falschen Theater' träumte. Trotz der misslichen Lage in der Nachkriegszeit gab er die Hoffnung auf ein natürliches und ganz laienhaftes Theater nicht auf: 'Ich hatte erkannt, dass nur stark ist, was auch einfach bleibt. Von kräftiger Hand aus Holz geschnitzt, so stellte ich es mir vor.' Auf der Suche nach einer Weihnachtsgeschichte für seinen Sohn wurde er in der Sammlung russischer Volksmärchen fündig: 'Ich hatte einen Stoff gefunden. Oder eher: der Stoff hatte mich gefunden. Er ließ mich nicht los.' In den folgenden Monaten entstanden mit dem 'Quartett der Freunde', das aus Ernest Anserment, dem Maler René Auberjonois, dem Dichter Charles Ferdinand Ramuz und Charles-Albert Cingria bestand, die 'Geschichte vom Soldaten - gelesen gespielt getanzt'.
Die Geschichte erzählt von einem Soldaten, der dem Teufel seine Geige verkauft. Als Gegenwert erhält der Soldat ein Zauberbuch, womit er ein unermessliches Vermögen erwirtschaftet. Doch da die anderen Kaufleute misstrauisch werden, muss er aus der Stadt fliehen. Er kommt schließlich in ein fernes Königreich, wo er die vom Teufel gequälte Prinzessin mit der Musik seiner Geige befreit, die er im Kartenspiel zurückgewonnen hat. Geschlagen muss der Teufel abziehen, nicht ohne den Soldaten mit einem Fluch zu belegen: Sollte er jemals die Grenzen des Königreichs überschreiten, so werde er ihn in sein Reich mitnehmen. Eines Tages erwacht im Soldaten die Sehnsucht nach der Heimat, wo schon der Teufel auf ihn wartet.
Das zweite Stück im Programm, Henzes Werk 'Paraphrasen über Dostojewski', entstand 1990. Es ist die revidierte Fassung der 1952 komponierten Ballett-Pantomime 'Der Idiot', für die Ingeborg Bachmann einen neuen Text schrieb. Ihr Text ist eine Reflexion über den Fürsten Myschkin, seine Träume und Wahnvorstellungen. Für Henze, der sich stets einer Festlegung auf einen bestimmten Stil verweigerte, war dies die erste Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin, mit der danach noch zahlreiche Arbeiten entstanden. Vorbild für Henze war in mehrfacher Hinsicht Igor Strawinsky, so zum Beispiel für die Besetzung des Orchesterapparats, der nur aus elf Instrumentalisten besteht.
(Staatstheater Darmstadt)
Programm:
Igor Strawinsky: Die Geschichte vom Soldaten (1917/18)
Hans Werner Henze: Paraphrasen über Dostojewski (1952/90)
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Montag, 03. März 2008
Beginn: 20:00 Uhr
Einlass: 19:00 Uhr
Saal bestuhlt
Alle Eintrittspreise sind Endpreise. Keine Gewähr für die Richtigkeit der Preisangaben.
Verantwortlicher Veranstalter:
Centralstation Kultur GmbH * Im Carree * 64283 Darmstadt
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