Musik des 20. Jahrhunderts: 3. Konzert
Musik des 20. Jahrhunderts: Amerikanische Musik-Pioniere
Das dritte Konzert des Staatsorchesters Darmstadt in der Centralstation vereint in seinem Programm amerikanische Musik-Pioniere. Im Zentrum steht John Cage, das 'enfant terrible' des 20. Jahrhunderts, der mehr als einmal Publikum und Kritiker völlig ratlos aus den Konzertsälen entließ. Doch heute, nach Jahren der historischen Distanz, zeigt sich ein völlig anderes Bild: Wohl kaum ein anderer Komponist hat auf seine Zeitgenossen so anregend gewirkt wie er. Heute haben wir die Chance, auf das Eigentliche in seinen Werken zu achten, anstatt sich von skandalträchtigen Äußerlichkeiten ablenken zu lassen, etwa im legendär gewordenen '4'33''' und dem selten gehörten Nachfolgewerk '0'00''', beide Plädoyers für die Erfahrung der Stille, die mit dem Verhältnis von Zuhörer und Musiker spielen. Zur Aufführung kommen außerdem Cages Klavierkonzert und die 'Party Pieces', die er 1944 bis -45 im Zusammenspiel mit verschiedenen Komponisten erarbeitete. Und Zusammenspiel ist hier ganz wörtlich gemeint: Einer der Komponisten schrieb einen Takt plus zwei Noten auf ein Papier, faltete es am Taktstrich und übergab es dem nächsten, der die beiden Töne als Basis für seine Fortsetzung verwendete. So kam eine originelle zwölfminütige Komposition zustande.
Mit Morton Feldmans 'Duration 5' steht außerdem das Werk eines Freundes von John Cage auf dem Programm. Die beiden waren sich 1950 bei einem Konzert begegnet, und durch den Gedankenaustausch mit Cage (sie wohnten eine Zeit lang im selben Haus) entwickelte Feldman seine ersten gültigen Kompositionen. Feldman war einer der Pioniere der grafischen Notation, die er zu Beginn der 1970er Jahre jedoch wieder zugunsten einer präzisen Notation verwarf, weil sie dem Interpreten zu viele Freiheiten ließ. Typisch für Feldmans Arbeit wurde die Reduktion des kompositorischen und instrumentalen Materials. Seine Musik vermeidet jede Empfindungsäußerung.
Ein weiterer amerikanischer Pionier der Musik des 20. Jahrhunderts ist Charles Ives, von dem Strawinsky einmal sagte, er habe in der Vorwegnahme so vieler Techniken der zeitgenössischen Musik den 'Kuchen' verzehrt, bevor die anderen überhaupt am Tisch Platz genommen hätten. Ives bediente sich dabei oft traditioneller Formen als Gehäuse, aber im Innern dieser Gehäuse bewegte er sich frei. Seine 'Orchestral Sets' sind Stücke für kleinere, flexible Besetzungen. Die Bezeichnung 'Set' verwendete er, um ihren Unterschied zur Sinfonie zu markieren. Die einzelnen Sätze, von denen Stefan Blunier eine Auswahl vorstellt, können auch für sich bestehen, wie die ihnen vom Komponisten nachträglich zugewiesenen programmatischen Beititel andeuten. (Staatstheater Darmstadt)
Programm:
Stanley Leonard: Fanfare und Allegro fĂĽr Trompete und Pauke
John Cage: Konzert fĂĽr Klavier und Orchester (1957/58)
Virgil Thomson/Henry Cowell/John Cage/Lou Harrison: Party Pieces, Sonorous and Exquisite Corpses (1944/45) arrangiert für Flöte, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier von Robert Hughes (1982)
John Cage: 0'00'' (4'33'' for the second time) (1962)
Charles Ives: AuszĂĽge aus Orchestral Sets for Orchestra: A Lecture, Like a sick eagle, Ann Street, At sea, Luck and work, The see'r
John Cage: 4'33'' (1952)
Morton Feldman: Durations 5 (1961)
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Montag, 21. April 2008
Beginn: 20:00 Uhr
Einlass: 19:00 Uhr
Saal bestuhlt
Alle Eintrittspreise sind Endpreise. Keine Gewähr für die Richtigkeit der Preisangaben.
Verantwortlicher Veranstalter:
Staatstheater Darmstadt
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